Projekt: Wohnungslosigkeit und Armut in Wolfsburg

Wohnungslosigkeit und Armut in Wolfsburg  – ein Projekt von Diakonie und BM252

„Wolfsburg steht für Struktur, Arbeit und Mobilität – geprägt von Volkswagen. Draußen rollen die Autos vom Band, drinnen verläuft alles nach Plan. Doch während die Stadt funktioniert, leben manche Menschen ohne festen Halt: ohne Schlüssel, ohne Tür, ohne Zuhause, zwischen Straße und Notunterkünften.“ (Maja R., Vivien F., Jonathan L. und Sofija M.)

So führt uns eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der BM252 in ihrem Mini-Buch in ihr Projektthema ein. Vor gut einem Jahr traten die Mitarbeiterinnen der Ambulanten Hilfe der „Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten mbH“ an die Carl-Hahn-Schule heran und stellten uns ihre Idee vor, mit einer Berufsschul-Klasse einen Wettbewerb zur Gestaltung von Mini-Büchern durchzuführen, in denen die fiktiven Geschichten von wohnungslosen Menschen in Wolfsburg erzählt werden. Das Ziel: (Junge) Menschen über dieses schwierige Thema informieren und vor allem denjenigen eine Stimme geben, an denen wir oft vorbeigucken, wenn sie uns auf den Straßen, am Bahnhof oder in Parks begegnen.

Die Klasse BM 252 stellte sich dieser Herausforderung und beschäftigte sich seit September 2025 unter anderem mit gängigen Mythen gegenüber obdachlosen und wohnungslosen Menschen. Für viele war es eine erste Erkenntnis, dass dies nicht ein und dasselbe ist. Zitate aus den begleitend verfassten Portfolios:

  • „Mir war bekannt, dass es in Wolfsburg obdachlose Menschen gibt. Durch den Unterricht ist mir erst klar geworden, wie viele Menschen obdachlos sind. Auch wusste ich von Gründen wie Alkohol, der beispielsweise zu Obdachlosigkeit führt. Was dahinter steckt, der Auslöser für den Alkoholkonsum beispielsweise, habe ich nie hinterfragt. Ich weiß nur, dass es Hilfsangebote wie die Tafel gibt. Wo die Menschen im Winter schlafen, ihre Klamotten bekommen, duschen und auf die Toilette gehen, habe ich nie hinterfragt.“ (Marie B.)
  • „Ein weit verbreiteter Mythos besagt, Menschen würden aufgrund persönlicher Fehlentscheidungen auf der Straße leben. Diese Annahme ist jedoch stark verkürzt. Viele wissenschaftliche Untersuchungen und Statistiken zeigen, dass strukturelle Faktoren wie steigende Mieten, Arbeitslosigkeit, Wohnraummangel und fehlende soziale Sicherungssysteme eine zentrale Rolle spielen.“ (Celina .d. C.)

 

Außerdem konnten wir das IZS Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation für dieses Projekt gewinnen. Aleksandar Nedelkovski, Leiter der Geschichtswerkstatt, zeigte uns auf, wie wenig Quellen zu dieser Personengruppe bisher im Stadtarchiv zu finden sind. Er führte dann im Herbst Interviews mit vier freiwilligen Wolfsburger*innen, die von ihren schwierigen Zeiten und ihren erfolgreichen Schritten zurück in eine sichere Lebenssituation berichteten. Das ermöglichte besondere Einblicke in die Situation von Menschen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind, und in die Beratungsangebote der Wohnungsnothilfe Wolfsburg (= Ambulante Hilfen und Tagestreff Carpe Diem der Diakonie, s. o.). Die Audioaufnahmen standen dann allen Gruppen zur Verfügung, um sie in ihre Arbeit einzubeziehen. Einzelne Schülerinnen und Schüler begleiteten Aleksandar Nedelkovski sogar bei zwei seiner Interviews:

„Ein echter Wendepunkt für mich war, als ich an Gesprächen mit Betroffenen teilgenommen habe. In diesem Moment wurde mir klar, dass hinter jeder Statistik ein echter Mensch mit einer Geschichte steckt. Das hat meine Motivation, das Projekt richtig gut zu machen, enorm gesteigert.“ (Vivien F.)

Richtig gut haben es dann alle vier Gruppen gemacht – eine schwierige Herausforderung für die Jury, bestehend aus den Interviewten und unseren Auftraggeberinnen von der Diakonie. Die 16 Schülerinnen und Schüler entwickelten in Gruppen vier Geschichten und illustrierten sie detailreich und liebevoll. Hier ein kleiner Überblick zu Titelbildern und Klappentexten:

 

„In diesem Buch wird die Geschichte von Carl erzählt, der mit Obdachlosigkeit konfrontiert ist und dabei sowohl Höhen als auch Tiefen durchlebt.“ (Elena B., Andres G. M. und Celina B – Illustrationen mit Canva.)

 

 

„Sie waren glücklich, hatten alles, was sie zum Leben brauchten. An einem regnerischen Montagmorgen veränderte sich das ganze Leben von Flori und Pablo. Sie leben nun auf der Straße – ohne Geld, ohne Wohnung. Nur noch sie beide…“ (Shannon L., Marie B., Melina S., Sophie J. und Alissa H. – Illustrationen von Alissa H.)

„Lena gerät mit zwölf Jahren durch Gruppenzwang, Drogen und den Verlust ihrer besten Freundin in Obdachlosigkeit und Abhängigkeit. Nach mehreren Rückschlägen wagt sie einen Neuanfang und findet über den Tagestreff Carpe Diem die Ambulante Hilfe, die sie Schritt für Schritt unterstützt. Mit ihrer Hilfe, einem festen Job und neu gewonnener Selbstständigkeit schafft sie es, sich aus der Dunkelheit zurück ins Leben zu kämpfen.“ (Celina d.C., Kiana M., Karolina M. und Aycha M. – Illustrationen mit ChatGPT)

 

„Obdachlosigkeit passiert nicht irgendwo. Sie passiert mitten unter uns! Wegschauen ist leicht. Doch Mitgefühl verändert Leben! Obdachlosigkeit ist nicht „deren“ Problem, es ist unser aller Verantwortung. Darum: Helft, wo immer ihr könnt!“ (Maja R., Vivien F., Jonathan L. und Sofija M. – Illustrationen mit ChatGPT)

 

Am Ende begeisterte die Geschichte von Carl die Jury am meisten. Herzlichen Glückwunsch an diese Gruppe und an alle für ihr Engagement und ihre Kreativität!

Nun fand ein intensives Projekt seinen Abschluss und alle Schülerinnen und Schüler erhielten als Dankeschön für ihre Arbeit das Kochbuch „Wolfsburger Kochgeschichten. So schmeckt das Leben“ (Hrsg. Tagestreff Carpe Diem) und einen Büchergutschein, gestiftet durch eine anonyme Spende.

Viola Bünz, Lehrerin

 

Schulleiterin Sabine Fredersdorf-Crome

 

 

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